Nimm nicht den ganzen Tag auf einmal
September · Melanie Weber
Es gibt Tage, an denen ich morgens denke: Das schaffe ich heute nicht. Die Klassen sind zu groß, die Ressourcen sind zu knapp, und einige der Schüler:innen brauchen deutlich mehr, als auch nur ansatzweise machbar ist. Der Tag hat noch nicht angefangen und wiegt trotzdem schon schwer. Vielleicht kennst du das.
Was mir dann hilft, ist unspektakulär: Ich höre auf, den ganzen Tag zu denken. Nicht eine, nicht sechs Stunden – nur dieser eine Moment. Und dann der nächste. Und wieder der nächste. Und dann passiert etwas.
Momente werden sichtbar. Ein guter Austausch mit der Kollegin, noch bevor die Schülerinnen und Schüler kommen. Situationskomik rund um eine Butterbrotdose. Ein Schüler, der überraschend aufmerksam reagiert. Zwei Schülerinnen, die in der Pause ein neues Spiel erfinden. Kleine Momente mitten in Bedingungen, die sich nicht geändert haben.
Sie kündigen sich nicht an, und sie lösen nichts. Die Klasse bleibt groß, die Liste bleibt lang. Aber es sind mehrere am Tag – und sie zählen, wenn du hinsiehst, während sie geschehen. In die Zukunft zu denken kostet dich die Gegenwart, in der sie stattfinden.
Und plötzlich ist der Schultag vorbei und es war doch ganz ok. Für Dich getestet. Oft.